Informationsflussanalyse: Verbesserte Kommunikation und Dokumentation in Softwareprojekten

Tutorial auf der GI-Tagung Informatik 2009

Veranstaltung Halbtagstutorial auf der Informatik 2009
Anmeldung Melden Sie sich bitte über das Anmeldesystem der Veranstaltungsseite an.
Ort Hörsaalzentrum der Universität Lübeck
Datum Freitag, 02.10.2009
Zeit vormittags
Referenten Prof. Dr. Kurt Schneider und Kai Stapel

Kurzfassung

Wir bieten ein Halbtagstutorial zur Einführung in die neue Methode der Informationsflussverbesserung an. Die Teilnehmer werden auf der Basis von praktischen Projekterfahrungen in die Grundkonzepte eingeführt. Sie lernen Techniken zur Durchführung kennen und erproben sie interaktiv. Das Tutorial schließt mit einem Ausblick auf fortgeschrittene und Forschungsaspekte, die sich ebenfalls mit dieser Methode bearbeiten lassen.

Adressatenkreis ...

... sind Praktiker in Software-Entwicklungsunternehmen, die für die Abläufe in einem oder mehreren Projekten zuständig sind. Projektleiter, Qualitäts- und Prozessbeauftragte interessieren sich oft besonders für nachhaltige Abläufe - und somit auch für Informationsflüsse. Da der Einstieg in die Informationsflussmodellierung relativ einfach und durch Techniken bzw. Werkzeuge unterstützt ist, eignet sich das Tutorial für Praktiker, die neue Anregungen suchen. Wissenschaftlich interessierte Teilnehmer lernen außerdem weiterführende Ideen kennen, wie der Ansatz beispielsweise auf verteilte Projekte oder auf Medienübergänge (kollaboratives Software Engineering) übertragen werden kann.

Der vorgestellte Ansatz kann in problematischen Projektsituationen eingesetzt werden; er wurde auch verwendet, um ein großes Prozessmodell zu debuggen und zu verbessern. Anders als übliche Prozessreifeansätze wie CMMI oder Spice kombiniert die Informationsflussanalyse zwanglos und undogmatisch Elemente disziplinierter und agiler Entwicklungsverfahren. Ausgangspunkt der Verbesserung ist nicht ein ideales Referenzmodell, sondern ein handlungsleitendes Bild der Verhältnisse in verbesserungswürdigen Bereichen. Darin werden Auffälligkeiten und Muster identifiziert.

Informationsflussanalyse

Die Informationsflussanalyse lässt sich in den Grundzügen rasch erlernen und anwenden. Dazu sind zunächst nur einfache Hilfsmittel (Formulare, Checklisten) erforderlich, die im Tutorial vorgestellt werden. Mit wachsender Erfahrung lassen sich auch fortgeschrittene Techniken und dedizierte Werkzeuge einsetzen, wodurch sich Kommunikation und Dokumentation in Softwareprojekten noch besser abstimmen und verbessern lassen. Die Informationsflussanalyse wurde bereits bei mehreren internationalen Tagungen in eingeladenen Vorträgen (Keynotes) vorgestellt, 2008 zum Beispiel auf der 9th International Conference on Product Focused Software Process Improvement (Profes) in Rom und auf dem 4th World Congress for Software Quality in Washington (WCSQ).

Dokumente spielen in Softwareprojekten eine wichtige Rolle. Dokumentation ist erforderlich, um Anforderungen, Entwurfsentscheidungen und eine Vielzahl weiterer Informationen zu erfassen und sie zu den Adressaten zu bringen: Entwickler lesen und schreiben ständig Dokumente. In der Praxis wird häufig beklagt, dass zu viel dokumentiert werden muss. Paradoxerweise leiden viele Projekte gleichzeitig darunter, dass zu wenig dokumentiert wird. Offenbar besteht keine Einigkeit, welche Informationen wirklich dokumentiert werden müssen - und wie die anderen Informationen weitergegeben werden können. Viele Beispiele aus Projekten zeigen das Spannungsfeld zwischen ausführlicher - aber aufwändiger - Dokumentation und informeller Kommunikation in Telefonaten, E-Mails und Meetings. Hier greift die Informationsflussanalyse an.

In diesem Tutorial wird ein neuer Ansatz vorgestellt, mit dem man in Projekten und Unternehmen eine differenzierte Abstimmung von Informationsflüssen vornehmen kann. Dabei werden sowohl schriftliche Dokumente als auch mündliche Informationsflüsse erfasst, modelliert und bei der Optimierung berücksichtigt. Häufig sind die nicht-dokumentierten Informationen in der Mehrheit; und das muss kein Fehler sein! Es kommt aber darauf an, die Abstimmung wohlüberlegt vorzunehmen. Dabei helfen Informationsflussmodelle. Entsprechend den Zielen und dem Profil der durchführenden Organisation kann man individuell verschiedene Empfehlungen zur Verbesserung der Informations- und Erfahrungsflüsse ableiten. Dadurch wird Aufwand gespart und Informationen gehen nicht mehr so leicht verloren.

Die Modelle sind absichtlich außerordentlich einfache, und dadurch gut einsetzbare grafische Darstellungen, die sich auf die Informationen, ihre Repräsentation und ihre Flüsse im Projekt konzentrieren. Sie erleichtern die Diskussion und führen schon durch die Visualisierung zu ersten Erkenntnissen. Mit Hilfe geeigneter Frage- und Analysetechniken erkennt man Anomalien und kann Verbesserungen planen.

Eine sehr wichtige Rolle spielen in Softwareprojekten auch die Erfahrungen der Mitarbeiter. Der Erfolg vieler Tätigkeiten hängt maßgeblich von den Erfahrungen der beteiligten Personen ab. Erfahrungen sind aber häufig nicht dokumentiert - das Problem der Informationsflüsse wiederholt sich in verschärfter Form. Daher legen wir großen Wert darauf, auch die Erfahrungen in die Informationsflussverbesserung einzubeziehen. Sie wirken oft wie Katalysatoren. Dies eröffnet weitere Verbesserungsmöglichkeiten. Praktische Übungen geben den Teilnehmern einen ersten Eindruck von der Wirkungsweise der Erfahrungs- und Informationsflussanalyse.